(Ne Menge Fotos von unserem Trip gibt es hier:
http://www.mathiasbruehl.de/trip/)
Liebe Mitglieder der intellektuellen Elite,
wir haben uns 10 Tage durch die Wildnis der Südinsel gekämpft. Das soll natürlich nicht ohne Reisebericht abgehen.
Tag 1 – Palmerston North nach Picton
Am Dienstag gings los. Wir wären schon früher losgefahren, aber Teile von uns dachten sich, es wäre ein geile Idee, das TV Assignment erst später abzugeben. Also das noch eben dem Prof. innen Kasten geworfen und ab nach Wellington.
Dort dann erstmal festgestellt, dass ich die Fähre falsch herum gebucht hab. Mathis hat sich gefreut, dass mal nicht er Mist gebaut hat und ich hätte mich gern selbst gegeißelt, aber die Leute waren so freundlich uns auf eine andere Fähre zu buchen und wir konnten dann doch noch am selben Tag rüber.
Drüben angekommen mussten wir dann den Hostelbesitzer erstmal ausm Bett klingeln, damit wir nicht im Auto übernachten müssen und haben dann gut geschlafen. Also ich besser als Mathis – ich hatte die Daunendecke :-)
Tag 2 – Picton nach Motueka
Nächster Morgen – Hostelfeeling. Erstmal ne Weile halbnackt durch die Gegend geirrt, bis ich die Duschen endlich gefunden hatte. Kurz gefrühstückt und los. Der Weg war einfach nur anstrengend. Keine fünf Minuten unterwegs und schon müssen wir halten, weil der Blick einfach der Hammer war. Es hatte sich Nebel gebildet und der lag nun wolkengleich über der See und nur die Berge ragten hervor. Stark. Haben fast in jeder Haltebucht gehalten und die Speicherkarte war nach einer Stunde bereits voll.
Die Malborough Sounds waren einfach unbeschreiblich. Sonnenschein, türkisblaues Wasser, grüne Berge und wenn man an der richtigen Stelle ist, keine Menschenseele. Stille und vollkommene Schönheit – passten wir beide super rein! (Mit Abstrichen auch das Auto)
Sind dann über Nelson bis an einen Strand in Kaiteriteri gefahren. Leider Ebbe, trotzdem paradiesisch – allerdings nicht nur die Natur. Kaum hatten wir unseren Strandspaziergang hinter uns und saßen wieder im Auto, kamen zwei Busse angefahren. Tür auf, es steigen jeweils ein dutzend Mädchen aus, laufen juchzend zum Strand, spielen Frisbee und fangen an sich gegenseitig nass zu machen... sind wir halt ein wenig länger geblieben :-)
An diesem Tag haben sich auch schon viele Konstanten der weiteren Reise gezeigt.
1. Mathis nörgelt rum, ich wäre zu hektisch
2. Ich nörgel rum, er sei eine lahme Ente
3. Mathis lobpreist sich selbst, besonders seine Fähigkeit Fotos zu machen
4. Wir sehen sehr viel von der heimischen Tierwelt. Schon auf den ersten Kilometern haben wir drei Quadratmeter-Oppossums auf der Straße kleben sehen
5. Ich lasse immer das Licht vom Auto an (was aber selbst nach zwei Stunden keine negativen Auswirkungen hat)
Tag 3 – Motueko nach Westport
Der Tag beginnt mit einem Wunder. Mathis ist um 9 Uhr wach. Bevor er merkt, dass er drei Stunden zu früh aufgestanden ist, hab ich ihn dann schnell ins Auto geschoben und bin losgefahren. Abel Tasman National Park. Über einen langen Schotterweg und durch verschiedene Weiden (ein Schaf links, ein Schaf rechts) zu einem duften Wald. Haben uns dann die Harwood Holes und einen Lookout Point angeguckt. Der Weg dahin, wäre in Deutschland wohl kaum als Wanderweg durchgegangen. War eine lustige Kletterpartie (Fußnote an dieser Stelle – Mathis hat sich nicht verletzt!). Die Holes waren auch nicht der Rede wert. Ein Schacht der über hundert Meter in die Tiefe reicht, allerdings kann man nur die ersten 10m sehen. Aber der Ausguck war stark. Wenn man erstmal die spitzen Felsen erklettert hatte, war man an einem tollen Ort, an dem man wahlweise die Aussicht genießen oder lästige Verwandte entsorgen kann – da fällt man nur einmal runter und Absperrungen gibt’s ja nicht.
Danach sind wir zu den „reinsten Quellen der Welt“ gefahren. 14.000 Liter pro Sekunde quellen dort aus dem Untergrund. Allerdings hat es geregnet. Also schnell wieder los zum Golden Bay. Sonne, Strände und wieder waren wir versucht alle zwei Meter zu halten. Sind dann an der Küste entlang zu den Wanui Falls. Die erwarten einen nach 30 Minuten Marsch in die Wildnis. Absolute Idylle. Hat nur noch die Meerjungfrau auf dem Felsen (den gab es wirklich) gefehlt.
Zwei neue Konstanten an diesem Tag.
1. Bei jedem schönen Ort gibt es eine „Sight-Cola“
2. Dank Mathis sehe ich auch im übelsten Wolkenbruch noch Licht … und zwar das am Ende des Tunnels. Der Mathis fährt nämlich wie eine gesengte Sau – vermutlich bin ich auch nicht besser, aber bei mir weiß ich ja, dass ich weiß, was ich mache. Zeitweise hab ich auch mal Sterne gesehen, als der Mathis sich überlegt hat, dass Schafe und Landschaft mehr Aufmerksamkeit bedürfen als die Straße, er dadurch gegen einen Felsen geheizt ist und mir mit dem Wagendach fast den Schädel gespalten hätte.
Tag 4 – Westport nach Wanaka
Morgens erstmal eine Robbenkolonie betrachtet. Coole Tiere. Liegen faul in der Gegend rum oder pöbeln – Mathis fühlte sich gleich wie zu Hause. Dann weiter zu einer wiedererbauten Goldgräberstadt. Das war allerdings nach all den atemberaubenden Aussichten der letzten Tage ein Reinfall. Reiner Touristenmist – aber man glaubt dem Reiseführer ja, wenn er was von „einzigartiger Sehenswürdigkeit“ sagt.
Sind schnell wieder gefahren und ab zum Franz Josef Gletscher. Auf dem Weg noch an einem wunderschönen spiegelglatten See, in dem sich die umliegende Szenerie gespiegelt hat, angehalten. Dann zum Gletscher selbst.
Vom Parkplatz muss man durch ein riesiges ausgetrocknetes Flussbett. Also fast ausgetrocknet, da fließt noch der oder andere Fluss / Bach durch und über die muss man erstmal rüber.
Natürlich wieder Zeit für ein Highlight a la Mathis :-) Erstmal mich beschimpfen, dass ich es trockenen Fußes auf die andere Seite geschafft hab und dann beim eigenen Überqueren vergessen, dass man den Fuß am besten hochhebt, wenn man einen Schritt macht. Schon hing er wieder drin und war am Fluchen wie ein Rohrspatz. Aber war nur halb so schlimm.
Anschließend sind wir vier Stunden nach Wanaka gefahren. Leider hatten wir die Skisaison nicht bedacht und alles war voll. Haben dann aber durch viel Glück doch noch ein Plätzchen bei einem Ehepaar gefunden. Riesige Betten und gutes Frühstück von Rob.
Tag 5 – Wanaka nach Queenstown
Rob hat uns dann auch mehrere Tipps für Sehenswürdigkeiten in Wanaka gegeben. Die erste war lustig, aber im Grunde auch nur Touristenmist. Ein Haus mit verschiedenen Illusionen. Eine war dann doch beeindruckend – die hat es tatsächlich geschafft, dass der Mathis größer aussah als ich. Dementsprechend war er auch gut gelaunt. Das ließ aber schnell wieder nach, als wir den angrenzenden Berg bestiegen haben, um einen guten Ausblick zu haben. Aber nach der Sight-Cola am Gipfel hat er wieder fröhlich rum photographiert und sich selbst, ob seines Könnens gelobt. Dann eben noch zum See an eine Stelle, die Rob uns beschrieben hatte und ein paar Fotos später waren wir auch schon auf dem Weg nach Queenstown.
Sind im strömenden Regen angekommen. Haben aber dank unseres schwulen bolivianischen Freundes schnell ein Hostel gefunden. Abends dann samt selbigem in die Stadt – Mathis will die Touristen im Casino abzocken. Viele Sprüche und schlechte Blätter später hat er 160 Doller von mir verzockt (er selber war ja blank) und wir konnten den Abend bei einer tollen Party in einer anliegenden Kneipe ausklingen lassen.
Haben dann in einer Stube mit zwei Schotten und zwei aus unserer Uni gepennt. Dank der Schotten roch das Zimmer angenehm nach Fuß und die haben dann auch für die nächtliche Unterhaltung gesorgt, weil der eine sich hat aufs Maul hauen lassen und geblutet hat wie ne Kuh beim Schächten. Hat wohl auch einen Zahn minus gemacht…
Die haben übrigens einen lustigen Akzent die Schotten – war aber vllt. auch nur wegen des abgebrochenen Zahns.
Tag 6 – Queenstown
Da Queenstown DIE Touristenstadt der Südinsel ist, haben wir uns natürlich breit schlagen lassen, was zu unternehmen. Wir heißt in diesem Fall ich und etwas heißt in diesem Fall Bungeejumping. Gebucht, gefahren, gesprungen. Macht Spaß, ist aber teuer.
Vorm Sprung noch mit dem Seilmeister gescherzt.
Er: How’re you doin’?
Ich: As long as you do a good job, I’m fine.
Er: Ohh, it depends *dreckiges Lachen*
Man hat einen duften Adrenalinpegel, wenn man am Abgrund steht. Natürlich auch eine schöne Aussicht, aber darauf achtet man da nicht so.
Danach sind wir zu einem weiteren Drehort vom Herrn der Ringe gefahren. Der Weg dahin führte am größten See der Südinsel entlang und war wieder einmal beeindruckend und die Speicherkarte bald voll. Der Wald war auch super. Der Weg führte über viele Flüsschen, aber kein Problem, wir fahren ja einen Ford Laser XL :-)
Am Abend will der Mathis wieder ins Casino. „Wir müssen ja das Geld wieder gewinnen!“. Nachdem er meine nächsten 160 Doller verspielt hat, sind wir dann nach Hause.
Tag 7 – Queenstown nach Oamaru
Die ganze erste Etappe von Queenstown nach Dunedin über strahlender Sonnenschein. In Dunedin das Center, die Station, das Courthouse und den botanischen Garten angeguckt (nächste Sight-Cola). Schöne Stadt. Aber als wir dann an den Pinguinstrand wollten (halbe Stunde Fahrt) war das leider private property.
Der ganze Tag bestand aus viel Fahrt. In Oamaru war schon um 8 Uhr abends tote Hose und das einzige Youth Hostel geschlossen. Also mussten wir im Motel absteigen. Teuer, aber immerhin WLan für eine Stunde umsonst und Sky TV (so was wie Premiere). Haben dann zwei sinnlose Filme geguckt. Den ersten konnte man gut verstehen, wenn man die Worte Nigga und Fuck beherrscht (Jo Nigga, are my bro aight?). Der zweite war mit Usher, was natürlich einen superkomplexen Plot garantiert. Haben dann Beziehungs- und Szenen raten gemacht (wer mit wem und was passiert als nächstes). Lagen erstaunlich häufig richtig.
Tag 8 – Oamaru nach Christchurch
Auch in Oamaru kann man Pinguine sehen, wir aber leider nicht, weil die nur abends kommen und wir früh wieder gefahren sind. Sind dann zum Peel Forest Park und haben eine üble Wanderung durch die Wildnis (weil nass, glitschig und matschig) zu den Emily Falls hinter uns gebracht. Mussten wieder zahlreiche Flüsse überqueren. Mathis hat sich beachtlich geschlagen und war nur die Knie abwärts nass. Hat sich auch dementsprechend selbst gefeiert.
Sind dann weiter nach Christchurch, wo uns Dauerregen und ein tolles Hostel erwartet haben. Super Aufenthaltsraum mit Pooltisch und Ofen und man konnte sich viele Filme angucken.
Tag 9 – Christchurch
Zunächst sind wir eine Touristenroute durch die Stadt gefahren. Allerdings haben wir nach 5 Minuten bereits den Faden verloren und sind dann direkt zum New Brighton Peer gefahren. Strahlender Sonnenschein und an der See Windstärke 10. Sight-Cola und dann ab. Das angedachte Ziel (die anliegende Halbinsel) haben wir nie erreicht, stattdessen sind wir auf einem Aussichtspunkt mit tollem Blick über die Stadt gelandet. Die anschließende Straße war mindestens genauso gut.
Abends in einem sehr schönen Lokal uns mal was gegönnt. Wir haben sonst ja nur von Schokoriegeln und Sight-Colas gelebt. Ach ja und am Tag vorher hatte ich noch einen kulinarischen Supergau gezaubert, weil die hier statt Tomatensauce, Ketchup in Dosen verkaufen. War ganz schön übel. Stellt Euch Bolognese mit Ketchup statt Tomaten vor und ihr wisst Bescheid.
Filmchen geguckt – ab ins Bett.
Tag 10 – Christchurch – Blenheim
Haben uns bei erneut strahlendem Sonnenschein zu den Hammer Springs durchgeschlagen. Das sind warme Quellen in ungefähr tausend Meter Höhe. Da kann man sich in warmem Wasser mit Blick auf die schneebedeckten Berge in der Sonne aalen. Haben wir dann auch lange gemacht. Schön entspannend.
Anschließend im Hostel in Blenheim festgestellt, dass wir von Deutschen umringt sind, die bei der anliegenden Weinernte helfen. Auch mal ganz nett.
Tag 11 – Blenheim – Picton – Wellington - Palmy
Der Weg ist nur noch ein Katzensprung. In Picton zwei Stunden bis zum Check-In Zeit gehabt – also wieder fix auf die Berge und die Aussicht auf die Sounds genossen. Einige Sonnenstunden, Sight-Colas und Fotos später sind wir dann ab auf die Fähre und haben uns an der tollen Aussicht erfreut. Drei Stunden später in Wellington angekommen und ab nach Palmy. Noch kurz den Sonnenuntergang photographiert und dann waren wir auch wieder zu Hause. Geschafft aber glücklich.
Als der Wayne wenig später kam, war das erste, was er gemacht hat und zur nächsten Salsaparty einzuladen – da wussten wir dann endgültig, dass die Flitterwochen vorbei waren :-)
Insgesamt hat uns der Trip beiden super gefallen und wir haben Dinge gesehen, die wir weder je zuvor gesehen haben noch je vergessen werden. Außerdem haben wir festgestellt, dass der Name für unseren Wagen „Ford Laser XL“ überaus passend ist. Ein Laser kommt ja auch überall durch. Die Karre ist wie Angela Merkel, sieht scheiße aus, macht aber einen guten Job.
Jetzt beginnt hier erstmal der Rugby Worldcup – das ist wie WM bei uns. Da ist einiges los. Wir dürfen auch wieder Assignments schreiben, also wird uns nicht langweilig und die nächste Einladung zum JiuJitsu oder zum Salsa kommt auch bestimmt.
Das waren für uns beide wohl die unvergesslichsten Wochen unseres Aufenthalts. Wir wünschen Euch allen auf jeden Fall etwas Vergleichbares, denn durch so etwas wird uns und Euch hoffentlich auch das Semester immer in guter Erinnerung bleiben.
Pass auf Euch auf, wir trinken jetzt eine Mate-Coke auf Euch alle :-)
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